Viel zu entdecken um Encarnación

Ruinen, Deutsche und Dünen.

Encarnación ist ein kleines, überschaubares Städtchen. Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich auf einem gemütlichen Schaukelstuhl im Innenhof des großartigen Hostels KERANA. Die Wände sind kunstvoll verziert, bunte Recyclinglampions tauchen den Patio in ein ruhiges, angenehmes Licht. Die Grillen zirpen gegen Musik aus dem Radio an, die friedlich vor sich hinplätschert.

Unternehmungen in Encarnación selbst

Die Stadt hat einige Geschäfte, eine handvoll Sehenswürdigkeiten sowie einen Markt zu bieten, auf dem es gleichermaßen günstiges Kunsthandwerk wie Gebrauchsgegenstände und regionale Lebensmittel gibt. Außerdem kann dort günstig und äußerst lecker einheimisch gegessen werden.

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Ausflugsziele in Itapúa

Ausflugsmöglichkeiten gibt es mehrere. Eine Stunde mit dem Bus vom Terminal aus beispielsweise dauert die Strecke zu einer der wichtigsten der noch etwa dreißig verbliebenen Jesuitenmissionen der Region Itapúa, Santísima Trinidad del Paraná. Im 18. Jahrhundert bekehrten die Ordensbrüder Guaraní hier zum Katholizismus und es entstand unter kolonialem Einfluss ein ungewöhnlich reger kultureller, sprachlicher und wirtschaftlicher Austausch. Heute ist Trinidad einer der am besten erhaltenen Ruinen Itapúas mit einer weitläufigen Plaza, einer großen Hauptkirche, einer Schule, Werkstätten, Gärten, Häuser der Indigenen und einem winzigen Museum, die in den 1990ern zum UNESCO Universalerbe der Menschheit ernannt wurde. Unweit von Trinidad befindet sich eine weitere Mission Jesús de Tavarengüé.

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Badestrand dank Ökodisaster

Yacyretá, ein enormes binationales Staudammprojekt zwischen Argentinien und Paraguay, das der Größe Itaipús kaum nachsteht, aber deutlich ineffizienter ist und vor allem aufgrund skandalöser Bestechungsvorfälle, baulicher Fehler und sozialer sowie ökologischer Schäden bekannt wurde, sorgt im Río Paraná dafür, dass Landstriche bis in die umliegenden Gebiete von Encarnación geflutet wurden. So ist der Fluss in der Peripherie der Stadt zu einem beachtlichen Gewässer angewachsen, das Encarnación als Costanera umgibt. Die Stadt selbst musste umstrukturiert werden. Etwa auf Höhe des Stadtkerns befindet sich daher darüber hinaus heute ein übersichtlicher künstlicher Sandstrand.

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Deutsche Migration nach Encarnación

Die Bewohnerinnen und Bewohner Encarnacións zeichneten sich durch ihre Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft aus. Sie betonten lieber einmal zu oft als zu selten, wie sicher ihre Stadt selbst nachts sei. Besonders gerne nahmen sie sich Zeit für lange, ausgiebige Gespräche. Dabei fand ich heraus, dass viele deutsche Vorfahren hatten, nicht wenige kannten Deutschland zudem von eigenen Besuchen. Da Encarnación auch die Geburtsstadt des deutsch-paraguayischen Diktators Stroessners ist, stellte ich mir die Frage, was die deutsche Migration motiviert hatte. Die meisten antworteten, dass die Deutschen wegen Stroessner gekommen seien.

Karneval, den Italienern sei Dank!

Große europäische Migrationsströme hatte es aber auch vorher bereits gegeben. Den italienischen Einwanderern beispielsweise wird nachgesagt, sie seien hauptsächlich Schuld am heutigen Ruf der Stadt als Karnevalshauptstadt Paraguays. Leider besuchten wir Encarnación etwas zu spät, um live dabei zu sein. Von den Festwagen jedoch konnten wir hier und da in Hinterhöfen und Plätzen geparkt einen Blick erhaschen.

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San Cosme y Damian

Ein besonders schöner Ausflug war zudem das zwei Busstunden entfernte San Cosme y Damian. Weite Landschaften mit saftigen Gräsern in strahlendem Sonnenschein, Rinderarten mit riesigen Hörnern, Nadelgewächse, Forstwälder, Schilf, rotes sowie grünes Zuckerrohr und geflutete Weideflächen, deren völlig windstilles Wasser den Himmel spiegelte.

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Eine Träne musste ich schon verdrücken, dass die Saison vorbei war. So konnte ich zwar die rostroten Jesuitenruinen besichtigen, ein Bootsausflug zu den Sanddünen war jedoch nicht mehr möglich beziehungsweise wäre astronomisch teuer geworden. Bei den Dünen handelt es sich eigentlich um die Spitze eines kleines Berges, der in den Staudammfluten baden ging. Das YouTube-Video eines paraguayischen Paramotor-Piloten, der über die Dunas de San Cosme y Damian gleitet, hatte mich auf verwegene Gedanken gebracht. Er antwortete sogar sofort positiv auf meine Anfrage und lud mich ein, mit ihm zu fliegen. Leider aber eben erst außerhalb der Osterwoche, wenn Manuel und ich wieder in Montevideo sein würden. Aufgeschoben heißt ja nicht aufgehoben. Trotzdem wäre ich gerne noch etwas in San Cosme y Damian geblieben. Mein Bauchgefühl sagt mir, in den umliegenden Dörfern und kleineren Ortschaften, wartet ein traumhaftes, touristisch weniger erschlossenes Paraguay darauf, erkundet zu werden.

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