Montevideo

Ankunft am Flughafen und erste Eindrücke der Stadt

Die Sonne im Osten steht genauso hoch wie der Mond ihr gegenüber im Westen am azurblauen, wolkenlosen Himmel und lässt die Stadt in den sattesten Farben erstrahlen. Mein Blick schweift über langläufige Straßen, umsäumt von Platanen, deren Wurzeln die Asphaltdecken anheben, und bunt gestrichene Häuser.

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Keines gleicht dem anderen. Ich entdecke radikal funktionale Gebäude, lateinamerikanische Blockbehausungen, Backsteinbauten, Fachwerkhäuser, Schwedenhäuschen und sogar Domizile mit Rieddach. Regelmäßig im Straßenbild Montevideos wird Baumaterie unterbrochen von ausladenden Grünflächen in kräftigen Nuancen. Idyllische Parkanlagen, kunstvolle, politische Graffitis und Oldtimer dominieren vor allem das Straßenbild.

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Ankunft und Abholung am Airport

Mitten in Carrasco, dem unmittelbar an den Flughafen angeschlossenen, wohlhabenden Viertel, steht ein Teil der Deutschen Schule. Der Flughafen selbst befindet sich in der Provinz Canelones. Der internationale Airport bietet alle wichtigen Dienstleistungen wie Geldabhebung oder Wechselstuben (ein Euro ist zur Zeit etwa fünfunddreißig uruguayische Pesos wert), einen Telefonladen des staatlichen Anbieters ANTEL oder registrierte Taxiunternehmen. Meine Anreise dorthin mit Air Europa hatte sich, aufgrund inkompetenten und unfreundlichen Bodenpersonals sowie lächerlich knapp bemessener Sitzfläche in bester Iberia-Tradition, leider als sehr unangenehm gestaltet. Umso glücklicher war ich, als mich Albrecht, pensionierter Journalist aus Berlin und mein Gastpapa für die ersten Tage in Montevideo, schließlich mit seinem klapprigen Van am Aeropuerto Internacional de Carrasco abgeholt hatte.

Immer am Wasser lang

Wir biegen ab auf die Rute entlang der Ramblas, einer Strandpromenade von zweiundzwanzig Kilometern Länge. Ein sanfter Seewind, der über die Haut streichelt, macht die hohen Temperaturen angenehm. Diese See ist genau genommen ein Fluss, der Río Uruguay. Sein Name stammt aus der Sprache der ausgelöschten Ureinwohners Guaraní und bedeutet so viel wie „Fluss der bunten, singenden Vögel“. Das beeindruckende Gewässer bildet von seiner Mündung in den Río de la Plata bis hoch in den Norden des Landes eine knapp fünfhundertachtzig Kilometer lange Westgrenze zum großen Nachbarn Argentinien. Obwohl die Sicht glasklar ist, können wir das andere Ufer nicht erblicken, vor dem Strand erheben sich niederländisch anmutende Dünen umsäumt von mediterranen Nadelhölzern – kein Wunder also, dass die Montevideaner von Meer sprechen, wenn sie Fluss meinen. Die ganze Hauptstadt ist auf charmante Weise gen Wasser ausgerichtet. Mich erfüllt ein ungemein friedliches Gefühl der Ruhe und Gelassenheit.

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Hafen und Altstadt Montevideos

Wir machen noch einen winzigen Abstecher zum Hafen, den ich auf einem Foto von seiner Bauweise her nicht von den Docks des hamburger Hafens hätte unterscheiden können, dann erreichen wir Albrechts Bleibe in der pittoresken Altstadt Montevideos. Sein Haus ist stilvoll eingerichtet, dekoriert in einer Mischung aus praktisch umfunktionierten Sammlerstücken, Antiquitäten, Kunstobjekten und schlichter, moderner Eleganz. Nach einer Verschnaufpause im Patio, dem kleinen von Pflanzen umrankten Innenhof, der mit seinen Blumen Kolibris anlockt, fahren wir zum Wochenmarkt.

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In Montevideo ist jeden Tag Markt

Unterwegs sammelt Albrecht Elsa und Thomas ein. Die drei engen Freunde gehen jeden Samstag gemeinsam zur Feria. Der Markt ist in Montevideo nicht nur eine günstige regionale Alternative zu teuren importierten Supermarktprodukten, sondern allem voran ein soziales, gesellschaftliches Ereignis. Wir unterhalten uns angeregt auf Spanisch, aber sowohl Elsa als auch Thomas sprechen Deutsch, denn so wie viele Uruguayos haben sie deutsche beziehungsweise deutschsprachige Vorfahren. Mir springt ins Auge, dass auch das Publikum an den Gemüseständen auffällig europäisch anmutet, wären da nicht in jeder zweiten linken Hand und Ellenbeuge eine kunstvoll verzierte Kalebasse sowie die unvermeidliche Thermoskanne mit heißem Wasser darin für den Mate-Tee.

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Ausklang des Abends

Als die Feria vorbei ist, unternehmen Albrecht und ich noch einen Spaziergang durch Montevideo, bei dem wir uns an den Graffitis der strandnahen Stadtteile orientieren. Wir kommen an leeren Touristenattraktionen, belebten Bars, in denen die Gäste selber singen, dem ältesten Krankenhaus Lateinamerikas und an meiner ersten Murga, einer politischen Gesangs-, Poesie- und Tanzperformanz des uruguayischen Karnevals, vorbei und sehen auf der Rambla die Sonne ins Meer sinken. Den Rest der Nacht kochen wir und unterhalten uns angeregt über Gott und die Welt. Albrecht erklärt mir seine Wahlheimat von der Pike auf bis ich schließlich mit schweren Augen, angeregt von der Fülle an neuen Eindrücken und mit einem zufriedenen, müden Lächeln einschlafe.

Beitragsbilder: © Florian Vitello, CC BY-NC 2.0 – Alejandro Dagnino, CC BY-NC 2.0 – Stephen Downes

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