DKB nicht mehr kostenlos

Übernahme der Entgelte entfällt

Ab Juni 2016 ändern sich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen für Privatkunden der deutschen Kreditbank. Die vertraglichen Neuauflagen wurden bisher minimal oder gar nicht kommuniziert. Für Kundinnen und Kunden bedeuteten diese jedoch tiefgreifende Veränderungen, auch wenn die DKB dies abstreitet.

Neue AGB der DKB für Privatkunden

Ein Auszug aus einer Fußnote der neuen AGB, der eine deutliche Sprache spricht, bringt den Kern der Änderungen auf den Punkt:

„Geldautomatenbetreiber können Entgelte erheben, die zusätzlich zum Auszahlungsbetrag belastet werden. Die Höhe dieses direkten Kundenentgelts vereinbart der Geldautomatenbetreiber vor der Auszahlung des Betrages mit dem Karteninhaber am Geldautomaten. Mit der erfolgten Auszahlung gilt dieses Entgelt als akzeptiert. Dieses Entgelt wird von der DKB AG nicht erstattet.“

Übernahme der Entgelte entfällt

Die Klausel bedeutet, Kundinnen und Kunden, die bisher weltweit kostenlos Bargeld abheben konnten, müssen in Zukunft Geldautomaten oder Bankfilialen suchen, die auf ein Entgelt verzichten, andernfalls zahlen sie ebenfalls so viel Zusatzgebühr, wie Inhaber*innen anderer Kreditkarten. Und das sind im Schnitt 5-7 Euro pro Abhebung, wobei in einigen Ländern die Bargeldabhebung zusätzlich auf ein Limit beschränkt ist.

Uruguay als Beispiel

Zur Verdeutlichung die Auswirkungen in Zahlen für Uruguay: In Uruguay gibt es viele private Banken, die mittlerweile alle hohe Entgelte für die Bargeldabhebung am Automaten verlangen. Bei der DKB VISA Card liegt dieses Entgelt – egal für welche Abhebesumme – im Schnitt bei 197 Pesos, was zurzeit einem Gegenwert von etwa 5,50 Euro entspricht. Gleichzeitig liegt das Abhebelimit der meisten Privatbanken bei 5000 Pesos, also knapp 137,50 Euro. Auf jede 137,50 Euro, fallen also 5,50 Euro Gebühren an, reine Rendite für die Banken. Die einzige Bank, die weiterhin keine Gebühren erhebt, ist die staatliche Banco de la República. Allerdings ist das Abhebelimit auf 3000 Pesos, etwa 82,50 Euro, beschränkt. In der Hauptstadt gibt es also nur noch drei Filialen, an denen Kundinnen und Kunden der DKB in Zukunft kostenlos Geld abheben können und mit ganz viel Glück ist zu den Öffnungszeiten auch an den insgesamt 27 BROU Zahlstellen Bargeld am Schalter erhältlich.

Geldabheben wird zum Strategie-Akt

Das Beispiel verdeutlicht, es ist zwar nicht unmöglich, wird jedoch deutlich umständlicher, strategischer und zeitaufwendiger, mit der DKB VISA Card in Zukunft kostenlos Bargeld abzuheben. Dabei kommt es auf die individuellen Entgelte, die Standorte, die Infrastruktur, die Geldvorräte und teilweise auch die Öffnungszeiten, der privaten und staatlichen Banken der jeweiligen Reiseländer an. Oder mit anderen Worten, das Alleinstellungsmerkmal der DKB, das, was die Bank zum Finanzpartner aller Vielreisenden gemacht hat, entfällt größtenteils. Aus diesem Grund habe ich der DKB geschrieben, hier ein Auszug:

„Des Weiteren möchte ich Ihnen in aller Klarheit mitteilen, dass ich als bis her äußerst zufriedener Kunde Ihrer Bank die Änderung der AGB zum 01.06.2016 als Fehlentscheidung und den Umgang damit als Vertrauensbruch ansehe. Eine Fehlentscheidung, da die bedingungslose Erstattung gegebenenfalls anfalle nder Kosten bisher ein Faktor war, der Ihr Finanzprodukt einzigartig und für Vielreisende wie mich alternativlos gemacht hat. Es war zu Tages- und Nachtzeit, in unsichereren Gegenden, unmittelbar vor und nach Grenzübergängen, immer in Reichweite möglich, problemlos Geld abzuheben. Das ist nun definitiv nicht mehr der Fall, denn mehr und mehr Banken erheben Automatengebühren in saftiger Höhe, somit entfällt die Möglichkeit, öfters kleinere Beträge egal bei welchem Automaten abzuheben. Reisende müssen nun im Voraus planen, wo sie Geld abheben können, wie sie dort hingelangen, müssen der ökonomischen Rationalität wegen möglichst große Beträge (die Abhebesummen sind überdies in vielen Ländern auf äußerst geringe Beträge limitiert) abheben und je nach Land kann es sogar passieren, dass kein Automat mehr ohne Zusatzgebühren Geld ausgibt. Mit anderen Worten, es gibt dann wenig oder keine Faktoren, die die DKB VISA Card noch von anderen VISA Cards unterscheidet; ein Vertrauensbruch deswegen, weil Sie diese elementare Entscheidung, diese profunde Änderung des geschlossenen Vertrages zwischen beiden Parteien, Ihren Kunden gar nicht oder nicht im ausreichenden Maße kommuniziert haben und auch noch wenige Tage vor Inkrafttreten der AGB-Änderung nicht kommunizieren. Als Vertragspartner fühle ich mich hintergangen und getäuscht“.

Leider versickerte meine Rückmeldung offensichtlich beim Kundenservice und ich bekam nicht einmal eine persönliche Antwort. Die mir zurückgesandten Textbausteine hier ebenfalls im Auszug:

„Bargeldverfügungen mit Ihrer DKB-VISA-Card sind für Sie an Geldautomaten auch in Zukunft weiterhin kostenfrei. Es können Fremdgebühren für Abhebungen anfallen. Dies ist derzeit vor allem bei einigen Betreibern in den USA oder in Thailand der Fall, kann aber auch andere Länder betreffen. Die Fremdgebühren werden vom Automatenbetreiber festgelegt und können daher variieren. Die Höhe dieses Entgeltes wird Ihnen vor Auszahlung des Betrages am Geldautomaten angezeigt. Die Belastung der Gebühr erfolgt zusätzlich zum Auszahlungsbetrag. Wenn Sie die Gebühr nicht übernehmen wollen, können Sie den Abhebevorgang vor Auszahlung abbrechen“.

Unliebsame Privatkunden

Der erste Satz widerspricht jedoch den darauf folgenden Ausführungen selbst. Voraussichtlich wird die DKB damit viele Kund*innen verlieren, aber offensichtlich interessiert sie das nicht einmal. Damit steht sie ganz im aktuellen Trend großer Finanzhäuser, sich von den unliebsamen Kleinsparer*innen zu trennen. Gelinde gesagt, bringen die in Zeiten schlechter Zinslage einfach zu wenig Rendite. Das beste Beispiel ist die aktuelle Finanzstrategie der Deutschen Bank

Alternative zur DKB?

Die AGB Änderung der DKB nimmt zusammengefasst ein Finanzprodukt vom Markt, das unzählige Vielreisende sehr liebgewonnen haben. Darauf nun wieder verzichten zu müssen, macht Reisen sowie im Ausland leben vielerorts stressiger und unsicherer. Eine Alternative gibt es bisher noch nicht.
Schreibt mir eure aktuellen Erfahrungen; werdet ihr bei der DKB bleiben? Seid ihr bei einer anderen Bank? Wie sieht es da aus mit Kosten und Abhebung?

8 thoughts on “DKB nicht mehr kostenlos

  1. Ich bin erst seit letztem Jahr Kunde der DKB und habe in China und Japan sehr von dem genannten Service profitiert. Ein weiterer Positivpunkt der, so hoffe ich, wenigstens bestehen bleiben sollte ist die Börsenkopplung bei der Umrechnung in Fremdwährungen. Es ist durchaus möglich eine größere Menge Bargeld zu Beginn einer Reise mit zu führen und vor Ort zu tauschen, die Gebühren sind aber oft unmenschlich hoch. Auch aus diesem Grund war die DKB-Visa extrem praktisch. Jetzt über Ecken lesen zu müssen, dass dieser eine Lichtblick in der Servicewüste Deutschland wegfällt ist traurig und macht wütend. Denn gerade die von dir genannte Zinslage muss von Kundenseite angeführt werden darauf hinzuweisen wie einfach es momentan für Banken ist Geld zu verdienen. Scheiß Banken, um es mal auf den Punkt zu bringen.

    1. Die Börsenkopplung bei der Umrechnung sollte bestehen bleiben. Ich stimme dir aber absolut zu, dass der „eine Lichtblick in der Servicewürste wegfällt“ ist das, was traurig macht. Es verkompliziert halt das Reisen in vielen Ländern wieder unnötig.

  2. Kann das kostenfreie Gewinn-SparCard Konto der Postbank empfehlen – nutze das schon seit mehreren Jahren ohne Probleme auf Reisen (u.a. in Argentinien, Spanien, UK). Man kann 10 mal pro Jahr im Ausland (und bei deutschen Postbank Filialen) entgeltfrei Geld abheben, ohne Abhebelimit, vorausgesetzt auf dem Konto ist genug Geld (lässt sich leicht vom deutschen Girokonto überweisen). Die Karte hat eine VISA Plus Funktion, also ist weltweit an vielen Automaten einsetzbar.
    Viele Grüße 🙂

    1. Das Konto der Postbank kenne ich von Freunden, die ebenfalls sehr zufrieden damit sind. Der Haken (bisher) gegenüber der DKB: Man kann eben „nur“ 10x pro Jahr abheben. Also keine Alternative für Vielreisende. Für Langzeitaufenthalte schon, allerdings besteht dann wieder das Problem, dass große Summen auf einmal abgehoben werden müssen – angenommen die Geldautomaten machen das wirklich mit, ist das ein großes Sicherheitsrisiko. Dagegen punktet die DKB auch weiterhin damit, dass, sofern Bankautomaten oder -Filialen ohne Entgelte auffindbar sind- wenigstens keine Beschränkung für die Häufigkeit der Abholung besteht. Liebe Grüße zurück!

  3. Zur DKB ist die Comdirect eine Alternative. Fast identische Leistungen im gleichen Rahmen.
    Hatte bisher noch nicht mitbekommen das die dkb das ändern will aber gut das du es geschrieben hast.
    In Indien wird das glaube ich kein Problem darstellen da die Automaten so gut wie nie Entgelt verlangen aber mal sehen wie es ab Juni sein wird …

    1. Von Freunden habe ich bereits erfahren, dass die Comdirect in den letzten Jahren sehr angezogen hat. Es lohnt sich also vielleicht, sich die Alternative anzuschauen?

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