Ciudad del Este

Handelsplatz, Grenzstadt und Multikultimetropole

Die starken Regenfälle über das Osterwochenende animierten uns dazu, die Reisepläne etwas umzuwürfeln. Asunción war deutlich kleiner, als wir erwartet hatten, seine Bewohnerinnen und Bewohner über die Feiertage größtenteils verreist und sehr wasserscheu. Eine Fahrradtour mit Traditionscharakter, bei der am Morgen des Karfreitag sieben Kirchen der Stadt besichtigt werden, fiel im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Obwohl ich mir vor allem gerne einen der berühmten paraguayischen Kreuzwege, denen eine spektakuläre Inszenierung zugesprochen wird, angesehen hätte, zwangen uns Wetter und Feiertagsfahrpläne zur Weiterreise.

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Besser NSA

Die Fahrt mit der Busgesellschaft Nuestra Señora de Asunción verlief beinahe noch komfortabler als die Hinreise und so gelangten wir ohne Probleme nach Ciudad del Este. Die Busgesellschaft wurde übrigens zu unserer Erheiterung NSA abgekürzt, hatte selbstredend eine Handyapp sowie Merchandising-Produkte und konkurrierte direkt mit der Gesellschaft NASA.

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Schmuggler-Hochburg Ciudad del Este?

Ciudad del Este, also Stadt des Ostens, befindet sich unmittelbar an der brasilianischen Grenze und ist berüchtigt als Schmuggler-Hochburg. Auf uns wirkte die Stadt stellenweise etwas heruntergekommen, aber ansonsten eher überschaubar und ruhig, als gefährlich und spannend. Hinzu kam, dass die Menschen uns äußerst freundlich und hilfsbereit empfingen.

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Die weniger bekannten Monday-Fälle

Sechs Kilometer vom Zentrum entfernt, befinden sich die wunderschönen Monday Wasserfälle (Saltos del Monday), knapp 45 Meter tief, 120 Meter breit, die in den Río Paraná stürzen. Das Naturschauspiel lockt vergleichsweise wenig internationale Touristen und kaum Paraguayer an, was mich erstaunte.

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Keine Aufmerksamkeit für gringos

Im Stadtkern liegt der Mercado Central (Zentralmarkt), nicht zu verwechseln mit dem berühmten Grenzmarkt, auf dem Einheimische ihre Einkäufe des Alltags erledigen. Touristen verlieren sich wenig hier her, wir waren an diesem schwülen Vormittag die einzigen Besucher. Nichtsdestotrotz wurden wir selten neugierig beäugt, die meiste Zeit wurde uns – zu meiner angenehmen Überraschung – wenig Beachtung geschenkt.

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Grenzmarkt von Ciudad del Este

Zum besagten Schmuggler-Markt von Cuidad del Este führt die Hauptstraße ebenfalls sechs Kilometer in die andere Richtung. Auf einem großflächigen Areal entlang mehrerer Straßenkreuzungen erstrecken sich Myriaden Stände, die ausnahmslos alles feilbieten. Ganz anders als es die unzähligen Horror-Reiseberichte es vermuten ließen, kam uns der Markt jedoch überhaupt nicht gefährlich vor. Wir fühlten uns im mehrerlei Hinsicht eher an die Bazare in Istanbul erinnert. Im Vordergrund stand das Feilschen um die günstigsten Preise. Händlerinnen und Marktschreier buhlten um die Wette. Dominiert wurde die Szenerie von Brasilianern, die unbeirrt auf Portugiesisch plapperten. Umgekehrt klappte die Verständigung bei den wenigen Verkäuferinnen, die nicht fließend Portugiesisch sprachen, mit Händen und Füßen sowie einem bunten Sprachmischmasch, der dem Portuñol Uruguays sehr nahe kam.

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Waffen im Angebot

Die Mehrheit der Produkte war von erstaunlich guter Qualität. Durch die Grenzsituation wurden die ohnehin in Paraguay sehr günstigen Produkte noch preiswerter verkauft. Zum Highlight des offenen Angebots gehörten Gewehre, Pistolen und andere Waffen, wobei es sich mehrheitlich um Luftgewehre, Gaspistolen und Jagdwaffen handelte, was in den gängigen Reiseberichten oft dezent ausgelassen wird. Unschön hingegen fanden wir das laute Knistern und Knattern der Teaser, die fliegende Verkäufer immer wieder hinter unserem Rücken auffunken ließen, um unsere Aufmerksamkeit – erfolgreicher wie bedrohlicher Weise – zu erzielen.

Ciudad del Este als Spiegel der Schere zwischen arm und reich

Die teils überlaufenen Stände wurden umsäumt von ebenso gut besuchten Shopping-Malls und höherklassigen Einkaufspassagen. Baulich ein passendes Abbild der sozioökonomischen Situation: Der enormen Diskrepanz zwischen der auf der Straße ersichtlichen Armut und den wohlgekleideten Damen und Herren, die mit Blick auf das Grenzgebiet im zwanzigsten Stock zu Longe-Musik dinierten, lag ein bizarrer Ekel inne.

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